Brauerei-Arbeiter im Warnstreik

Sedat Kaya

Etliche Jahre zuvor hatte der Hamburger Senat mit dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) die Erlaubnis dafür erteilt, die Holsten Fabrik von Hamburg nach Hausbruch in die Nähe von Harburg zu verlegen. Trotz Gesprächen zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und dem aktuellen Hamburger Senat und Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wurde für dieses Problem noch immer keine Lösung gefunden. Der Umzug der Holsten-Braurei in Hamburg, die zum weltweit bekannten Konzern Carlsberg gehört, ist für das Jahr 2019 angesetzt. Derzeit sind insgesamt 450 Personen in der Brauerei beschäftigt. Der Konzern möchte nun die Unklarheiten ausnutzen, um bei dem Umzug 70 bis 80 Arbeitsplätze zu vernichten, ohne dabei eine Abfindung zu zahlen. Nach mittlerweile drei Gesprächsrunden zwischen Arbeitgeber und NGG wurde immer noch keine Lösung gefunden. Als Antwort auf die Hinhaltetaktik des Arbeitgebers führte die NGG einen Warnstreik durch, den der Arbeitgeber mit einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht erfolglos zu verhindern versuchte. Am ersten Warnstreik am 12. Dezember, der bei Schichtwechsel am Nachmittag begann, beteiligte sich ein sehr großer Teil der Belegschaft.

Die Vorsitzende der NGG Hamburg-Elmshorn, Silke Kettner, forderte die Arbeitgeber dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ihre Haltung aufzugeben. Der Betriebsratsvorsitzende Hasselmann kritisierte, dass der Arbeitgeber den Sozialplan, den sie vorschlagen, nicht akzeptiert. Die NGG-Gewerkschaftssekretärin Zuhal Demir sprach zu den Arbeitern und betonte, dass der Reichtum in den Händen der Brauereibesitzer durch die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen angehäuft wurde. In ihrer Rede machte sie deutlich, dass die Arbeitgeber mit dem Schicksal der Arbeiter spielen und rief dazu auf, dem nicht statt zu geben. Ebenso besuchte der Linke-Bürgerschaftsabgeordnete Deniz Celik die streikenden Arbeiter, bekundete seine Solidarität mit ihrem Kampf und versprach, ihre Forderungen in die Bürgerschaft hineinzutragen. In seiner Rede sagte er, dass es nicht sein kann, dass die Kosten für diese Veränderungen auf den Rücken der Belegschaft abgewälzt werden sollen und unterstrich noch einmal, dass dieser Kampf mehr als berechtigt ist.


Das Wichtigste ist unsere Einheit”

Mehmet Zengin (Arbeiter in der Holsten-Brauerei): Ich arbeite seit 1989 in der Holsten-Brauerei. Zu Beginn arbeiteten hier 1.300 bis 1.400 Menschen. Nach der Übernahme von Carlsberg im Jahre 2002 wurden viele Kollegen entlassen. Der Grund, warum wir heute einen Warnstreik durchführen, ist, dass der Arbeitgeber 70 Kollegen -gar ohne Abpfindung- entlassen möchte. Wir Arbeiter möchten bekommen, was uns zusteht. Der Reichtum des Konzernes ist aus unserer Arbeit entstanden. Wir haben viele verschiedene Probleme im Betrieb und es wird viel diskutiert. Der Arbeitgeber weiss das auch und das gibt ihm Selbstvertrauen. Daher: Egal was kommt, wir müssen als erstes unsere Einheit stärken!