„Identitäre Bewegung“ will Vormund für Geflüchtete werden

Alev Bahadir

Was sich anhört wie ein schlechter Scherz, ist tatsächlich die Absicht der rechten und rassistischen Identitären Bewegung (IB). In einem Beitrag auf ihrer Homepage „beschäftigt“ sich die Identitäre mit der Frage um unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Dabei ist dieser Eintrag voller Widersprüche aufgebaut. Zunächst werden – typisch für Rechte – die schrecklichen Tötungen von Mia aus dem rheinland-pfälzischen Kandel sowie von Maria L. , Studierende aus Freiburg instrumentalisiert, um diese für ihren Rassismus zu nutzen. In beiden Fällen waren die Täter Geflüchtete gewesen. Diesen Umstand nutzt die Identitäre, um zu propagieren, dass viele Geflüchtete die Minderjährigkeit nur vortäuschen würden, um ein „komfortableres“ Leben in Deutschland zu bekommen, um nicht ausgewiesen zu werden oder um die eigene Familie nachzuholen. Schnell wird die eigentliche Mission der Identitären in ihrem Kampf gegen die so betitelte „Asyllobby“ (damit ist wohl eher die Geflüchtetenhilfe gemeint) klar: „… denn gerade im Umgang mit vermeintlichen oder tatsächlichen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen lässt sich erstaunlich viel Geld abgreifen“. Nach einem kurzen Abstecher, der beinhaltet, dass die Vormundschaft über minderjährige Geflüchtete viel mehr Geld bringen würde, als das Kindergeld für „deutsche Eltern“, wird erläutert, dass ein Vormund gar nicht so viel Zeit mit dem Jugendlichen verbringen müsse, aber dafür zwischen 19,50 und 33,50 Euro pro Stunde bekommen könne. Daraufhin beschuldigt die Identitäre die „Asyllobby“ den Staat und die Geflüchteten (!) auszunutzen, um an Geld zu kommen. Anschließend wird noch genau erklärt, was zu tun sei, wenn man Vormund werden möchte: „Die IB Hamburg hat daher beschlossen, diese Lücke zu füllen. Bereits vor einigen Tagen haben sich einige unserer Aktivisten zum Thema Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von Fachleuten beraten lassen. Demnächst werden wir eigene Schulungen hierzu durchführen. Wir rufen auch andere Patrioten dazu auf, sich auf diesem Feld zu engagieren… Bei ihrem Engagement in der Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden unsere Aktivisten streng darauf achten, dass dieses Amt zukünftig nicht mehr missbraucht wird und entsprechende Verdachtsfälle an die Behörden melden. Zugleich betrachten wir dies als willkommene Gelegenheit mit ausländischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Gespräch zu kommen. Dabei werden wir mit ihnen über vorhandene falsche Erwartungen an ihr Gastland ebenso sprechen, genauso wie über eine Zusammenführung mit ihrer Familie in ihrer Heimat. Sollten die ersten Erfahrungen positiv verlaufen, so werden wir uns um einen bundesweiten Ausbau dieses Projektes bemühen“.

Die Vorstellung, dass ausgerechnet rechte Hetzer der Identitären Bewegung die Vormundschaft über Geflüchtete zugesprochen bekommen, um ihnen einzureden, in Kriegsgebiete zurückzukehren oder um sich so zu bereichern, ist mehr als abstrus. Besonders Minderjährige, die ihre Heimat und ihre Familien zurücklassen mussten, um Schutz in Europa zu suchen, wo sie ständig Anfeindungen entgegenstehen, brauchen ein besonderes und sicheres Umfeld, dem sie vertrauen können. So eine Basis ist essentiell für sie, um die Traumata, die sie in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht erlebt haben, zu überwinden. Diese Jugendlichen können unmöglich unter die Vormundschaft von jenen gestellt werden, die gegen sie hetzen, sie am liebsten sofort ausweisen wollen und durch ihre andauernde Hetze auch zu Gewalttaten gegen sie anheizen.