Facebook und Co. und wie sie Milliarden Menschen kontrollieren!

Eren Gültekin

Jahrelang waren sie Investoren und Berater von großen Namen wie Facebook, Google und anderen Unternehmen – heute aber haben sie diesen den Rücken gedreht und arbeiten jetzt als „Zentrum für humane Technologie“ gegen Facebook und Co. Der Grund: negative folgenschwere Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf die Nutzer.

Im Zentrum für humane Technologie sind auch große Namen wie Roger McNamee, der erste Facebook-Investor und Berater von Mark Zuckerberg oder Justin Rosenstein, der das „Gefällt-mir“- Knopf erfand. „Diese Tech-Unternehmen haben einen großen Einfluss auf unsere Kultur, auf unser Wahlverhalten, auf die Entwicklung von Kindern. Sie sind mächtiger als nahezu jeder Politiker – sie beeinflussen die Gedanken von zwei Milliarden Nutzern. Dazu benötigen wir eine Diskussion“, fordert Tristan Harris (ehemaliger Google-Manager) im Wirtschaftssender Bloomberg, der das „Zentrum für humane Technologie“ leitet.

Der Erfinder der Musik-Tauschbörse Napster und früherer Präsidenten von Facebook, Sean Parker, sieht die wichtigste Frage, die sich sog. soziale Netzwerke stellen würden, als Folgende: Wie kann man möglichst enorm viel Zeit der Menschen beanspruchen, um ihre höchstmögliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Damit verdienten sie Milliarden. „Wir haben es trotzdem getan“, so Parker. Erst nachdem sie zu unfassbarem Wohlstand erlangt sind, fingen sie an, kritische Fragen zu stellen und die Nutzer vor den sozialen Netzwerken zu warnen.

Der Dopamin-Kick der „Sozialen Medien“

Facebook verpasste seinen Nutzern einen sogenannten Dopamin-Kick durch das ständige Liken, das gegenseitige Erwähnen und das dauernde Teilen von Texten, Bildern und Videos. Dopamin verleitet die Nutzer ihrerseits dazu, mehr Inhalte und Reaktionen zu produzieren. Dies ist ein mechanischer Kreislauf, das eine Schleife der sozialen Bestätigung ist. Wodurch die sozialen Medien wie Facebook oder Instagram die Schwäche der menschlichen Psyche gezielt ausnutzen. Apple-Chef Tim Cook selbst erklärte zuletzt, er wolle nicht, dass sein Neffe soziale Netzwerke benutze.

Knapp vor einer Woche hatten sich Kinderärzte und Psychologen an Facebook mit der Forderung gewandt, die neue Chat-App wieder einzustellen, die für Kinder ab 6 Jahren gedacht ist (Messanger Kids). Damit würde das Unternehmen auf eine verletzliche Gruppe zielen, die von ihrer Entwicklung her nicht darauf vorbereitet wäre, heißt es in einem Schreiben an das Unternehmen.

Das “Zentrum für humane Technologie“ möchte Nachteile der verschiedenen Technologien aufzeigen und die Entwickler dafür sensibilisieren. Eine große Ironie dabei ist, dass die Mitglieder dieser Initiative alles schwer reiche Menschen sind, die Aufgrund dieser Unternehmen zum Ruhm erlangt sind aber für ihre Kampagne und die Aufklärung Spenden sammeln, statt selbst in die Hosentaschen zu greifen.

Der politische Einfluss von Facebook und Co.

Die sozialen Medien sind -auch was politischen Einfluss anbelangt- mittlerweile nicht wegzudenken. Trump, begeisterter Nutzer und Provokateur, legt offen: „Ich glaube, dass soziale Medien mehr Macht haben als Werbegelder“. Allein durch die Verbreitung von Fake-News erkennt man heute, dass erfundene Informationen in sozialen Medien meinungsbildend wirken können. Diese entfaltet eine politische Wirkung, da es weniger um inhaltliche Informationsverbreitung geht, sondern mehr um Gemeinschaftsbildung. Die Nachrichten sollen die Persönlichkeiten der einzelnen Nutzer darstellen und somit die Gleichgesinnten stärken und sich abgrenzen. Die Informationen soll das eigene Weltbild stützen, der Wahrheitsgehalt oder die Objektivität treten dadurch eher in den Hintergrund. Man spricht heute auch davon, dass die politischen Rechten die sozialen Medien sehr gut nutzen können.