Arm im reichen Land

Bahar Güngör-Candemir

Den Menschen in Deutschland sollte es eigentlich immer besser gehen. Denn die „Arbeitslosenquote sinkt stetig“ und „seit 25 Jahren war die Arbeitslosigkeit nicht so niedrig, wie sie heute ist“. So zumindest die Bundesregierung. Auch erzielt Deutschland Milliarden- Überschüsse. Grund zu feiern ist das aber nicht, denn noch schneller steigt die Armut in diesem Land. Ein Lob an die jahrelange geführte Politik, die es geschafft hat, dass nun die Ärmsten der Armen gegeneinander ausgespielt werden und miteinander konkurrieren. Ja, sich sogar um abgelaufene Lebensmittel streiten müssen.

1,5 Millionen Menschen nehmen das Angebot der „Deustchen Tafeln“ regelmäßig in Anspruch. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die diese Hilfe erhalten, steigt rasant. Sie machen 23% der Bedürftigen aus. Rentner, ALG II Empfänger, Alleinerziehende und Migranten stehen täglich in langen Schlangen an, um Lebensmittel erhalten zu können. Dass es in einem so reichen Land wie Deutschland überhaupt Tafeln existieren müssen, weil ohne sie Menschen hungern würden, ist eine Schande.

Weil die Nachfrage bei der Essener Tafel so groß wurde, entschieden die Mitarbeiter dort Deutsche zu bevorzugen und Nichtdeutsche nicht mehr als Neukunden aufzunehmen, „bis sich das Verhältnis wieder annähern“ würde. Zu Recht hagelte es nun Kritik an dieser Entscheidung. Hilfe an Nationalität zu koppeln ist rassistisch. Von einem „Nehmer-Gen“ oder fehlender „Anstellkultur“ bei Russlanddeutschen oder Syrern zu reden, ist auch rassistisch. Die Kritik ist wichtig und darf nicht mit Aussagen wie „aus der Not heraus hat die Essener Tafel einen Fehler gemacht“ kleingeredet werden. Rassismus muss bekämpft werden. Egal ob es der Bäcker ist, der einen „Neger nicht bedienen“ will, oder die Tafel, weil sie nur noch Deutschen helfen will. Zu keiner dieser Taten, egal wie relevant sie einem vielleicht vorkommen oder nicht, darf geschwiegen werden.

Das alles heißt natürlich nicht, dass die Verursacher dieser Missstände einfach davon kommen dürfen. Diejenigen die über Jahre zugelassen haben, dass in Deutschland Menschen hungern trotz Arbeit, ALGII, Rente oder anderen Leistungen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Es müssen Lösungen her! Die Agenda 2010 Politik der SPD mit Unterstützung der CDU war der Türöffner für so viel Armut in diesem Land. Das Menschen von ihrer Rente nicht leben können, Flaschen sammeln müssen und auf Tafeln angewiesen sind, ist ein Armutszeugnis. Aber auch der Umgang mit Geflüchteten Menschen ist eine Katastrophe. Das von Deutschland aus die Fluchtursachen überhaupt erst geschaffen werden, sollte durch die Rüstungsexporte mittlerweile jedem klar sein. Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch deutsche Waffen. So ist es auch nicht wunderlich, dass immer mehr Menschen auf der Flucht sind. Menschen die geflohen und hier angekommen sind, gehören zu den ärmsten in diesem Land. Die Möglichkeiten einen Sprachkurs zu besuchen, zu Arbeiten oder eine Ausbildung zu beginnen sind sehr gering oder nur zu sehr schlechten Bedingungen. Die Politik dieser Jahre hat den Rechtsruck und das Erstarken der AfD ermöglicht. Genau gegen diese Politik heißt es nun aktiv zu werden.