Die Geburtshilfe – eine solidarische Hilfe

Dirim Su Derventli

Jährlich werden in Deutschland etwa 700.000 Kinder geboren. Bei einer Geburt ist zumindest neben der Mutter noch eine weitere wichtige Person dabei: die Hebamme.

Die Vorsorge durch eine Geburtshelferin steht gesetzlich jeder Schwangeren zu – egal ob sie im Krankenhaus oder zu Hause entbinden möchte. Die Hebamme ist aber nicht nur während der Geburt dabei, sondern betreut sowohl Frauen mit dem Beginn der Schwangerschaft, bis einige Wochen nach der Geburt. Sie bereitet sie auf die bevorstehende Geburt vor und untersucht das heranwachsende Kind im Mutterleib. Sie nimmt der werdenden Mutter und auch dem Vater die Angst und setzt genau dort an, wo es in Krankenhäusern meistens immer zu kurz kommt, nämlich durch Zwischenmenschlichkeit. Aber obwohl der Beruf so wichtig ist, steht er heute vor dem Aus.

Viele Hebammen in prekärer Situation

Da viele Hebammen freiberuflich arbeiten, müssen sie eine Berufs-Haftpflichtprämie zahlen, falls etwas während der Geburt passieren sollte. Das überhaupt noch etwas passiere sei heute, bei einer so fortgeschrittenen Medizin und Technik, sehr unwahrscheinlich. Und doch ist die Prämie mittlerweile so hoch, dass es sich für die meisten Hebammen nicht mehr lohnt, in dem Beruf weiter zu arbeiten. Zuletzt wurde sie auf 7600 Euro jährlich erhöht, was mehr als 600 Euro monatlich sind. Da bleibt nicht mehr viel für die Hebammen selbst übrig, die im Übrigen von den Krankenkassen und nicht durch Privatleistungen der Schwangeren bezahlt werden.

Für die Geburtshelferinnen ist neben der Aufgabe des Berufes meist nur noch der Wechsel in eine Festeinstellung im Krankenhaus eine Option. Dort sind sie über die Einrichtung selbst versichert und zahlen deutlich geringere Abgaben. Der Lohn ist im Krankenhaus dann in etwa auf dem Niveau wie des Pflegepersonals. Wer sich die Tarifverträge der Pflege mal angesehen hat, weiß, wie gering bezahlt wird. Und auch die gleichen Arbeitsbedingungen erwarten die Hebammen im Krankenhaus: unbezahlte 24-Stundendienste und horrender Schichtdienst. Obwohl der Stand um die Pflege in Deutschland bekannt ist und mit den Bundestagswahlen eine große Debatte um die Aufbesserung dieser losging, kann man deutlich beobachten, dass stattdessen eine zweite Berufsgruppe in der Medizin immer weiter prekarisiert wird.

Kabinett Merkel IV. zeigt sich unberührt

Die Zahl der freiberuflichen Hebammen ist rapide gesunken. 2015 waren es nur noch etwa 2100 Freiberuflerinnen im gesamten Bundesgebiet. Unzählige Frauen stehen somit ohne Hebammenvorsorge da, da es schlicht und ergreifend nicht mehr genügend Geburtshelferinnen gibt, die sich kümmern können. Die wenigen, die noch freiberuflich arbeiten, haben überfüllte Terminkalender und betreuen viel mehr Frauen, als sie eigentlich Zeit haben.

Damit jeder Mutter und jedem Kind die möglichst beste Vor- und Nachsorge geboten werden kann, muss sich schleunigst etwas ändern. Geburten sind kein medizinischer Vorgang, sondern ein natürlicher Verlauf. Diese müssen vor allem von Hebammen betreut werden, die keinem technisierten Ablauf folgen, sondern sich Zeit nehmen, um in Ruhe einen neuen Menschen auf der Welt willkommen zu heißen.