Mehr Menschen für Frieden auf der Straße

Die Ostermärsche werden seit den 60`er Jahren in Deutschland von Friedensgruppen auf regionaler und lokaler Ebene organisiert und traditionell durchgeführt. Die Themenschwerpunkte variieren oft regional, aber den Frieden als Forderung haben alle gemeinsam: Die Aufrüstung Deutschlands, die Bedrohung durch Atomwaffen, die deutschen Rüstungsexporte, die Konflikte im Nahen Osten, insbesondere in Syrien, sowie diplomatische Beziehungen zu Russland waren Themen der Ostermärsche 2018. Ein Beispiel dazu aus Stuttgart, einer Industrieregion, wo auch viele Firmen ansässig sind, die Rüstungsgüter oder Waffenteile produzieren. Dort wurde zusätzlich zu der traditionellen Demo vor dem Flughafen ein Theaterstück aufgeführt, um auf die deutsche Aufrüstung aufmerksam zu machen. In Hamburg verband man das Thema Rüstung mit Personal im Gesundheitswesen. Eine Unterschriftenliste wurde erstellt und man wollte in 2 Wochen 10000 Unterschriften sammeln. Man erreichte stattdessen 30000 im Rahmen der Kampagne „Statt für die Rüstung, für die Gesundheit investieren“ und zeigte somit, dass nicht nur die Teilnahme an den Märschen gestiegen ist, sondern auch die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für Themen wie Rüstung und Gesundheit.

Ostermarschkoordinatoren sehr zufrieden

Auch aus Sicht vom Netzwerk Friedenskooperative wurden die Ostarmärsche sehr positiv bewertet. Teilnahmen stiegen überall, in vielen Städten wurden kleinere und größere Demos veranstaltet. Mehr als 200 Menschen haben am Ostersonntag in Ulm für Abrüstung und eine neue Entspannungspolitik demonstriert. Es war der erste Ostermarsch in der Stadt seit zehn Jahren. Veranstalter war FRIEDENSBEWEGT-Ulm,ein Bündnis aus 20 Organisationen. In Bielefeld liefen über 1000 Teilnehmer, sowie auch in Bremen und Hannover, wo normalerweise viel weniger mitlaufen. Diese Entwicklung zeigt, dass die Friedensbewegung überall wieder wächst. „Immer mehr Menschen setzen sich für Frieden ein, weil ihnen bewusst wird, dass die Welt auf eine Katastrophe zusteuert. Die zunehmende Aufrüstung, Rechtspopulismus, totalitäre Regime, Menschenrechtsverletzungen und Kriege, all dies sind weltweit zunehmende Tendenzen, die Frieden und Gerechtigkeit bedrohen, auch in Deutschland.“ erklärt Philipp Ingenleuf, Geschäftsführung Netzwerk Friedenskooperative, die steigenden Teilnehmerzahlen.

„Die Teilnehmerzahlen der Ostermärsche steigen seit 2013 Jahr für Jahr kontinuierlich leicht an. Für viele Menschen ist es einfach nicht mehr hinnehmbar, dass unsere Regierung in Sachen Friedenspolitik versagt.“, so Kristian Golla, ebenfalls von der Geschäftsführung Netzwerk Friedenskooperative. „Statt mit einer zivilen Außenpolitik zu helfen, exportiert Deutschland lieber Waffen an Staaten wie Saudi Arabien oder die Türkei, obwohl diese Krieg in Jemen bzw. Nordsyrien/ Afrin führen. Diese zynische Doppelmoral bei Rüstungsexporten geht vielen Menschen gegen den Strich und lässt sie zu Ostern aktiv werden.“

Beteiligung von Jugendlichen auch gestiegen

Ein weitere Besonderheit der Ostermärsche sind die Vielfältigkeit der Redner. Von alt bis jung, von Schülern, Studierenden, Arbeitern bis hin zu Politikern, alle kamen zu Wort und konnten ihre Sicht darstellen. So auch in Marburg oder Frankfurt, wo die Studierenden Lukas Wunsch und Ramazan Mengi zum Thema Bundeswehr und ihrer aktuellen Strategie in den Bildungseinrichtungen und auf den Social media Plattformen sprachen. Die Bundeswehr investiert viel Geld, um in Schulen und Universitäten Jugendliche zu ködern und sich sogar in Kindergärten als attraktiven und humanen Arbeitgeber darzustellen. Die Teilnehmerzahlen in beiden Städten ist ebenfalls rasant gestiegen: In Marburg spricht man „von einem der größten Märsche der letzten Jahre“ und in Frankfurt sogar von der „höchsten Beteiligung der letzten 25 Jahre“.

Ein weiterer Aspekt, der in vielen Reden eine wichtige Rolle spielte, waren die Stellvertreterkonflikte in Syrien und der türkische Einmarsch in die kurdische Stadt Afrin in Syrien. In Heidelberg sprach die Schülerin Irem Gözüacik „Mit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch im Norden Syriens beschwört die türkische Regierung nicht nur ein Wiederaufflammen der Kämpfe in der Region, sondern auch die Gefahr einer bürgerkriegsähnlichen Entwicklung in der Türkei. Es ist die Strategie: Repression nach innen, Aggression nach außen. Denn der Angriffskrieg gegen die Kurden in Afrin wurde – und wird immer noch – im gleichen Atemzug zur Einschüchterung von Kurden im eigenen Land, von jeglicher fortschrittlicher und demokratischer Opposition in der Türkei eingesetzt.“

NATO-Kriegstreiber

Auch war die Situation der Beziehungen der Nato, insbesondere Deutschlands mit Russland, ein wichtiger Punkt. In vielen Reden wurde eine Entspannungspolitik gegenüber Russland gefordert. So beschrieb Reiner Braun (Co-Vorsitzender des International Peace Bureau IPB) in München und Chemnitz wo er die Ostertage unterwegs war, „Die bedauerlichen Ereignisse um einen Doppelagenten – unbewiesen die herbei konstruierte Verantwortung Russlands – werden wider aller Vernunft, realer Faktenlage und politischer Interessen zu einer an die tiefsten Zeiten des Kalten Krieges erinnernden Konfrontationsstrategie gegen die politische Führung Russlands genutzt. Wieder wird vom „Strategischen Feind“ und einer „Bedrohung ohne Grenzen“ geredet. Worum geht es wirklich, neben der Ablenkung von inneren Problemen besonders in Großbritannien aber auch in ganz Europa: es geht darum, ein Klima der Angst und der Kriegsvorbereitung zu schaffen.“

Frieden nicht nur Ostern, sondern das ganze Jahr!

Natürlich hat es sich mit einer Teilnahme an einem Ostermarsch einmal im Jahr nicht getan. Die Forderungen, die an diesen Ostertagen nach außen getragen wurden und auch die Motivation, die dieses Jahr bundesweit auf den Oster-Veranstaltungen erlebt wurde, muss auf das ganze Jahr übertragen werden. Sich dafür einzusetzen, für eine friedlichere Welt ohne Krieg, Ausgrenzung und Hunger sowie Leid zu demonstrieren und die Stimmen dafür zu erheben, das mehr in die Bildung und Gesundheit investiert wird, statt in Krieg, Tod und Rüstung, genau diesen hartnäckigen Kampf brauchen wir zurzeit mehr als je zuvor!