Esther Bejarano in Marburg

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg! Unter diesem Motto stand der Donnerstagabend im Kulturzentrum KFZ in Marburg. Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano und der Kölner Rapper Kutlu Yurtseven von der „Microphone Mafia“, sangen jüdische und antifaschistische Lieder. Unterstützt wurden sie von Esthers Sohn Joram. Rund 400 Menschen kamen in den ausverkauften Saal. Die DIDF-Jugend Marburg hatte in Kooperation mit dem AStA Marburg dazu eingeladen.

Vor dem musikalischen Auftritt, berichtete Esther Bejarano von ihren Erlebnissen während des 2. Weltkriegs. Dazu las sie Passagen aus ihrem autobiografischen Buch „Erinnerungen“ vor. Als sie von dieser Zeit erzählte, wurde ihr gebannt zugehört. Um das Vernichtungslager zu überleben, wollte sie Teil des Mädchenorchesters in Auschwitz werden, doch sie konnte nur Klavier und Blockflöte spielen. Da beide Instrumente bereits vergeben waren, meldete sie sich als Akkordeonspielerin, ohne jemals ein Akkordeon in der Hand gehabt zu haben. Sie traf zum Glück direkt die richtigen Tasten. Ihre Eltern und ihre Schwester waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot, sie wurden von den Nazis ermordet. Später, bei einem der berüchtigten Todesmärsche der Nazis, konnte Bejarano fliehen. Für sie sind ihre öffentlichen Auftritte eine späte Rache an ihren Peinigern.

Nach der Lesung sang die 93-jährige gemeinsam ihrem Sohn und Rapper Kutlu Rapsongs und Partisanenlieder. Zum Beispiel “Wir leben ewig“ und „Bella Ciao“ gehören dabei zu ihrem Musikprogramm. Damit begeisterte sie das Publikum, das am Ende des Konzerts mit stehenden Ovationen Beifall klatschte.

Bejarano, sowie Eren Gültekin von der DIDF-Jugend, wiesen darauf hin, dass Krieg und Faschismus leider aktueller denn je sind. Die steigenden Rüstungsausgaben der BRD oder der Einmarsch der türkischen Armee ins syrische Afrin sind Beleg dafür. Auch nimmt der Fremdenhass in den letzten Jahren zu. Der faschistische Terror des NSU und Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte werden verharmlost. Gleichzeitig können rechte Parteien wie die AfD im Bundestag hetzen und die sozialen Probleme der Menschen für sich ausnutzen. Der gemeinsame antifaschistische Kampf ist wichtiger denn je. Die DIDF-Jugend Marburg lud deshalb auch alle Gäste zur bald wieder anstehenden 1. Mai-Demonstration in Marburg ein.