Kriegspropaganda durch Kinder

Cigdem Kardelen

Mehrere Kinder, die Uniformen tragen, vor dem Publikum stehen und Kriegslieder singen. Das ist keine Filmszene aus Hollywood, sondern reine Realität bei DITIB-Veranstaltungen in den vergangenen Wochen. Über 80 Veranstaltungen, die überall in Deutschland stattfanden, gestalteten sich nach diesem Muster. „Schlaf ruhig, mein Märtyrer, nie vergibt dieses Volk dem, der dich erschoss.“ oder „Wenn es dem Vaterland dient, opfere ich mein Leben.“, solche Lieder und Sprüche sagten die Kinder vor ihren Eltern und der Moschee-Gemeinde auswendig auf. Die verkleideten Kinder als Soldaten und Märtyrer und das militärische Bühnenprogramm sollten als Gedenkveranstaltungen an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnern. Auffällig wurde auch, dass die Kinder immer wieder Parallelen zwischen der Schlacht von Gallipoli im Jahr 1915 und der Ereignisse in Afrin zogen und die „heldenhaften Taten“ der türkischen Soldaten miteinander verglichen.

Auch wenn es solche Veranstaltungen seit Jahren gibt und diese zu einer Tradition der DITIB-Gemeinde geworden sind, gibt es dieses Jahr einige Besonderheiten. Haci-Halil Uslucan, der Leiter der Essener Stiftung Zentrum Für Türkeistudien und Integrationsforschung kritisiert wie folgt: „Früher hat so etwas nicht in der Moschee stattgefunden. Es ist ein Novum, dass politische und nationalistische Mythen Einzug in die Moschee halten.“ Weiter kritisiert er, dass Afrin und 1915 gleichgesetzt werden, da es zwei völlig unterschiedliche Konstellationen sind.

Die größte Kritik bekommt die Gemeinde sowohl seitens von Uslucan als auch von anderen Politikern in Bezug auf die Kinder. Es sei unakzeptabel, dass Kinder durch solche Rollenbilder ein positives Bild von Krieg und Waffen bekämen, so Uslucan. Es ist anzumerken, dass die Rede von Grundschülern ist.

Öffentlich kam es zu großer Kritik, als die Bilder von der Veranstaltung in Herford auch in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden. Verschiedene Politiker verurteilten, dass Kinder für Kriegszwecke instrumentalisiert würden. Dies sei eine Form von Kindermissbrauch und die Landesregierung werde die nicht hinnehmen.