NEUER BERUFSBILDUNGSBERICHT: „Azubi-Quote unter Ausländern halb so hoch wie bei Deutschen“

Im neuen Bundesbildungsbericht spricht die Politik von glänzenden Ausbildungschancen seit über 20 Jahren – dies stimmt jedoch nur bedingt. Millionen von Jugendlichen stehen ohne einen Abschluss da

Um die berufliche Bildung wieder aufzuwerten und für die Anerkennung der Ausbildung innerhalb der Gesellschaft, reist der Bundespräsident durchs Land. Bildungsministerin Karliczek (CDU) erklärt im vorgestellten neuen Berufsbildungsbericht: „Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind so gut wie lange nicht“.

Rein rechnerisch kämen auf 100 Bewerber 105 Ausbildungsplätze und es gebe auch mehr Ausbildungsverträge. Nach dem Bericht sei die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr leicht angestiegen und weniger als jeder fünfte Betrieb bilde mittlerweile aus. Andererseits sei die Zahl der unbesetzt gebliebenen betrieblichen Ausbildungsstellen auf knapp 49.000 gestiegen. Dem gegenüber stünden 24.000 unversorgte Azubibewerber.

Migranten werden offensichtlich benachteiligt

Die Abbrecherquote bei den Azubis ist immer noch sehr hoch, auch wenn Karliczek versucht diese Zahl auf 13 % herunterzuspielen, da wohl einige in andere Betriebe oder andere Branchen wechseln. Interessant ist, dass mittlerweile mehr Ausbildungsanfänger eine Hochschulreife haben, als einen Hauptschulabschluss, daher studieren auch immer mehr junge Menschen. In diesem Zusammenhang fordert Reiner Hoffmann (DGB): „Wir müssen aufhören mit dem Akademisierungswahn“, der Glaube sei einfach falsch, „man komme nur mit einem Studium erfolgreich durchs Leben“.

Der Bericht zeigt weiterhin auf, dass junge „Deutsche“ doppelt so häufig mit einer Ausbildung beginnen, wie junge „Ausländer“. Die Ausbildungsanfängerquote lag 2016 bei jungen Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft bei 27,6 % und bei den „Deutschen“ waren es 55,8 %.

„Deutsche“ Bewerber haben dem Bericht zufolge deutlich bessere Möglichkeiten. Von den „deutschen“ gemeldeten Bewerbern bei der Bundesagentur für Arbeit fanden 42 % einen Ausbildungsplatz, aber nur 26 % der „nichtdeutschen“ jungen Bewerber. Wobei es auch unter den Migranten deutlich ersichtliche Unterschiede je nach Herkunftsland gibt. Im Berufsbildungsbericht heißt es: „Insbesondere für junge Menschen türkischer oder arabischer Herkunft ist es erheblich schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden“. Als mögliche Ursachen werden „Selektionsprozesse der Betriebe“ genannt.

Skandal ersten Ranges

Nach den Angaben spiegeln sich die Unterschiede auch in der deutlich höheren Quote an Migranten ohne Berufsabschluss wieder. Von den 20- bis 34-jährigen „Ausländern“ haben 31,4 % keinen Abschluss. Bei „Türken“ sind es sogar 54,1 %. Diesen jungen Menschen droht ganz klar ein Leben in prekärer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kommentiert dies so: „Obwohl die Arbeitgeber zunehmend über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen, gibt es offenbar Vorbehalte und Berührungsängste bei vielen Unternehmen“, „Selbst bei gleicher Leistung werden Einwanderer deutlich seltener zu Einstellungstests und Vorstellungsgesprächen eingeladen als junge Menschen ohne Migrationshintergrund.“ Die Gewerkschaften kritisieren: Vielerorts werden Probleme der Azubis im Unternehmen nicht thematisiert und ignoriert, die Qualität der Ausbildung -sowohl finanziell als auch inhaltlich- müsse steigen, ansonsten werde die Abbrecherquote nicht abnehmen. Auszubildende lösen ihre Verträge nicht grundlos auf.