„Klick“ und der Strom ist weg

Eren Gültekin

Wegen unbezahlter Rechnungen wurden in den letzten Jahren bundesweit mehreren hunderttausenden Haushalten der Strom abgedreht. Allein 2016 gab es etwa 6,6 Millionen Sperrdrohungen wegen unbezahlter Rechnungen.

Zwar ist die Stromsperrung der letzte Mittel bei offenen Rechnungen von mindestens 100 Euro, jedoch bleibt es oft nicht nur bei den Mahnungen einer Sperrdrohung, sondern bringt auch Zusatzkosten mit sich, was vielen Menschen die Sache noch mehr erschwert, die enormen Summen zu begleichen. Eine nie enden wollende Endlosschleife…

Nach Angaben der Verbraucherzentralen und Sozialbehörden reagieren Betroffene meist zu spät auf die drohende Zahlungsunfähigkeit. Realistisch aber auch oft unmöglich, mit Transferleistungen, Minijobs oder dem Mindestlohn das Minimum an Lebensstandard zu erreichen, vor allem, wenn die Preise in allen Bereichen steigen. Selber schuld?

Dafür spricht die Zahl von 6,6 Millionen Sperrdrohungen für 2016 eine andere Sprache und erst Recht die Strompreise. Seit 2000 haben sich die Kosten für jeden Haushalt von 15 Cent pro Kilowattstunde auf ca. 30 Cent verdoppelt. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Realeinkommen legten im selben Zeitraum nicht annähernd so stark zu. Ebenfalls: Der Energieanteil in den Hartz-IV-Regelsätzen ist nach Meinung der Sozialverbände des Strombedarfs weit davon entfernt, annähernd realistisch zu sein.

Hinzu kommt, dass Menschen aus sozialen schwächeren Schichten diejenigen sind, die meist in teuren Grundversorgungstarifen fest stecken. Bei einer nicht so guten Zahlungsfähigkeit einer Person wird meist kein günstiger Sondervertrag vom Versorger angeboten. Ein weiteres Problem ist, dass sich arme Menschen selten energieeffiziente Geräte leisten können und deshalb ihre alten Stromfresser weiter nutzen und dadurch noch überdurchschnittlich viel verbrauchen, was die hohen Rechnungen erklärt.

Daher sind zwingende Maßnahmen nötig. Als ersten Schritt könnte man einen günstigen Sozialtarif einführen. So z.B. in Bochum: Dort haben die Stadtwerke 3880 mal wegen ausstehender Rechnungen den Strom abgestellt. Die Bochumer Linksfraktion mahnt das an und will auf der nächsten Ratssitzung im Juni einen Antrag über die Einführung eines Sozialtarifs für Strom sowie Gas stellen und beantragt zudem den Verzicht auf Strom- und Gassperren von den Stadtwerken. Auf die Aussage der Stadtwerke, dass sie erfolgreich mit dem Jobcenter und dem Sozialamt kooperieren würden, um eben zu verhindern, dass es zu einer Stromsperre käme, kritisierte die Vorsitzende der Linksfraktion Gültaze Aksevi, „Angesichts des erneuten Anstieges der Stromsperren ist das ein Witz“.