Erststudierende aus Arbeiterfamilien fehlt die Unterstützung und auch das Verständnis

Tugba Bakirci

Vielen Kindern weltweit fehlt die Chance auf Bildung. Zu diesem Schluss kommt der diesjährige Weltbildungsbericht der UN-Organisation Unesco. Laut dem Bericht „Verantwortung für Bildung“ erhalten 264 Millionen Kinder keine Bildung, selbst bei Kindern, die zur Schule gehen, ist die Abschlussrate nur gering.

Der Analyse zufolge schließen nur 83 Prozent der Kinder zwischen sechs und elf Jahren die Grundschule ab. Bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren, also im unteren Sekundarschulbereich, sinkt die Abschlussrate auf 69 Prozent. Von Schülern aus der oberen Sekundarschulbildung, Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, machen laut Unesco nur noch 45 Prozent einen Abschluss.

Und wie sieht es mit dem Studium, vor allem in Deutschland aus?

77 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren, aber nur 23 von 100 aus Arbeiterfamilien schaffen es an die Universität. Doch wie ist es, als erster in der Familie zu studieren? Meist unverständlich für die Eltern oder Geschwister. Die Studierenden fühlen sich mit ihren Ängsten allein gelassen und distanzieren sich von ihrer Familie.

Immer mehr Kinder aus Arbeiterfamilien wagen den schritt an die Universität, damit es in der Zukunft nicht so wird, wie in der Vergangenheit. Für ein Leben ohne fnanzielle Sorgen ja und auch für etwas mehr Anerkennung.

Finanzierung des Studiums
Hat man es erst einmal bis zum Abitur geschafft, ist das nächste Ziel, die Universität, gar nicht mehr so weit. Mit Mühe und Anstrengung schafft man es bis an die Universität. Doch dieser Zugang bringt auch für die Erststudierenden aus Arbeiterfamilien Ängste mit sich. Dass weiß auch Wolf Dermann, von der Organisation ArbeiterKind, die Studierenden aus Arbeiterfamilien unterstützt. Die meist gestellte Frage, ist die Frage der Finanzierung des Studiums, denn eine finanzielle Unterstützung durch die Eltern kommt meist nicht mal in Frage, da die Familie selber knapp über die Runden kommt. Aber auch das intellektuelle Umfeld stellt sich als eine große Herausforderung dar.
Die einzige finanzielle Unterstützung ist das BAFöG, doch durch die bürokratischen Hürden aber auch die Schulden, die sich nach dem Studium anhäufen, fühlen sich die Studierenden häufig diskriminiert und haben eine zusätzliche Belastung.

Ihre Eltern und ihre Familie verbinden das Intellektuelle meistens nur mit ihren Vorgesetzten auf der Arbeit, somit ist der akademische Zugang ihrer Kinder schon vorbelastet, denn „gerade Akademiker aus dem wirtschaftlichen Zweig nehmen den „armen“ nur das Geld weg“ ist die berechtigt weit verbreitete Annahme. Das Verhältnis von Studierenden aus Arbeiterfamilien und ihren Eltern wird distanzierter und die Studierenden fühlen sich alleine gelassen und überfordert mit deren Situation, denn es wirkt sich dann auch auf die Leistungen aus, nicht zuletzt wegen der eigenen Finanzierung des Studium.

Aber selbst von seinen Kommilitonen wartet man vergeblich auf Verständnis. Im Gegenteil, Studierende in Deutschland haben einen neuen Trend entdeckt „Arm sein ist cool“, doch nicht alle Studierenden sind arm dran, nein, denn Akademikerkinder können sich ihr Studium durch die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern problemlos finanzieren. Die finanzielle Unterstützung ist das eine, Arbeiterkinder haben auch noch andere Hürden die besonderes zu Anfangszeit des Studiums bemerkbar werden. Denn auch die Sprache an der Universität und die sozialen Gewohnheiten von Arbeiterkindern sind alles andere, als der ihrer Kommilitonen. Der kulturelle und soziale Zugang wurde ihnen meist nicht ermöglicht (z.B. Theater, Reisen, …). Die Gefahr bei dem Trend wirkt sich negativ auf Arbeiterkinder an der Universität aus, denn ihre Situation wird ignoriert und nicht ernst genommen.