AfD – „Vogel der Geschichte“

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat mit seiner Provokation und Relativierung der Hitlerzeit eine erneute Welle der Empörung ausgelöst. Er sprach beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA): „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ und erntete von den Teilnehmern des JA-Bundeskongresses großen Beifall. „Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre“, sagte Gauland. Er wolle aber betonen, dass das nur ein Teil der deutschen Geschichte sei: „Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre.“

Es wundert wenig, dass die Vertreter des etwa 2000 Mitglieder zählenden Jugendverbandes diese radikalen Töne ihres Vorsitzenden bejubelten. Nicht wenige von ihnen tummeln sich am ganz rechten Rand, in Burschenschaften, Kameradschaften und der neu-rechten sozialdarwinistischen Hipsterorganisation Identitäre Bewegung herum.

Auch wenn Gauland ein Tag später seine Aussage relativierte und davon sprach, dass er missverstanden wurde, hat seine Aussage die Wirkung erzielt, die sie sollte. Wieder genießt die AfD für kurze Zeit die Aufmerksamkeit. Gaulands Äußerung folgt einer Strategie der Neurechten, die NS-Zeit als eine von vielen historischen Phasen herunterzuspielen und dadurch den Eindruck zu erwecken, die jetzigen Generationen hätten damit nichts mehr zu tun. Auch wenn das formal richtig ist, d.h. heute geborene Generationen nicht aktiv an den Verbrechen beteiligt waren, bedeutet das aber keinesfalls, dass man keine Verantwortung dafür trage, dass so was nie wieder geschehen darf. Gauland betont bewusst, dass die Nazi-Herrschaft vergleichsweise kurz war und ihre monströsen Folgen damit zu vernachlässigen seien. Diese verharmlosende Geschichtsverdrehung ist typisch für die AfD. Dabei sollte jedem klar sein, dass nicht die Länge der Gewaltherrschaft entscheidend war, sondern die Intensität. Es können hundert Jahre vergehen, die nicht entscheidend für die Entwicklung der Menschheit sind, aber in wenigen Stunden oder Sekunden können sich Dinge ereignen, die weitere Jahrzehnte der Geschichte entscheiden. 50 Millionen Menschenleben in 12 Jahren darf man nicht mit einem „Vogelschiss“ relativieren. Keine andere politische Kraft hat mehr Menschenverachtung und Tod im Gepäck, als die politische Rechte. Denn Rechte finden Diskriminierung anhand persönlicher, ethnischer oder kultureller Merkmale nicht schlimm oder betreiben sie sogar gezielt. Das ist das, was sie von der politischen Linken unterscheidet. Die gesellschaftliche und soziale Schieflage ist bitterernst. Fehlende bezahlbare Wohnungen, Löhne, die nicht bis zum Ende des Monats ausreichen, die Löcher im Bildungssystem oder Abbau demokratischer Rechte sind große Probleme unserer Zeit und die AfD ist lediglich der spaltende und trennende Ausdruck dieses Problems, keinesfalls Teil der Lösung. Daher sollte man der AfD die kalte Schulter zeigen und den Menschen klar machen, dass man für ein gerechtes Land und für eine gerechte Gesellschaft steht, nicht im Interesse von Kapital und Profit, sondern gleichberechtigt und selbstbestimmt. Denn die AfD ist nichts als ein Vogelschiss auf dem Weg zu einer friedlichen und demokratischen Welt.