Burkini für Schwimmunterricht?

Eren Gültekin

Erneut sorgt die Bedeckung der muslimischen Frauen und Mädchen für Diskussionen in Deutschland. Ein Thema, das alle paar Monate immer wieder sehr strittig und emotional in den Medien, bei Politikern sowie in der Gesellschaft diskutiert wird. So auch jetzt wieder, wie ein aktueller Fall zeigt.

Diesmal geht es um den Burkini-Verleih für den Schwimmunterricht des Pestalozzi Gymnasiums im bayrischen Herne. Die Schule hat genau 20 Burkinis aus Spenden angeschafft, um diese bei Bedarf an ihre muslimischen Schülerinnen verleihen zu können. Diese Nachricht brachte natürlich wie zu erwarten viel Reaktionen hervor. Vor allem in sozialen Medien, aber auch in der Presse geben alle möglichen Leute ihren Senf zum Thema. So auch die CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die sehr verwundert über die Handlung der Schulleitung war. „Damit zementiert eine Schule ein frauendiskriminierendes Rollenverständnis an einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche gerade das Gegenteil lernen und sich frei entfalten sollten“, ausgerechnet die Frau Klöckner, die öffentlich immer wieder oft genug betont hatte, dass der Paragraph 219 a des Strafgesetzbuches, womit das Werbeverbot des Abtreibens festgehalten wird, nicht gekippt werden darf, will den Menschen die Frauenvertreterin spielen. Was natürlich sehr widersprüchlich ist.

Zur Begründung für diese ungewöhnliche Ausleihpraxis von Burkinis führt der Schulleiters Volker Gößling der „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ gegenüber an: „Damit hat keiner mehr eine Ausrede, nicht am Unterricht teilzunehmen“ und fügt hinzu, dass 15 Schülerinnen das Angebot bereits wahrgenommen hätten. Dies sei ein Erfolg. Der Schulleiter erklärt, dass die Burkinis bereits vor 2 Jahren angeschafft wurden, damit jeder schwimmen lernen könne. Auch helfe die Schule den Schülerinnen und Schülern, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihres familiären und kulturellen Hintergrundes Schwierigkeiten haben, am Unterricht, am gesamten Schulleben oder Beispielsweise an Klassenfahrten aktiv teilzunehmen.

Die Hilfe beginne bei der Versorgung von Sportsachen, Sportschuhen, Badehosen, Badeanzügen wie bei dem Fall bei Burkinis sowie auch beispielsweise bei SKI-Bekleidung oder auch von Schreibmaterialien, aus welchen Gründen auch immer die Schüler diese Dinge nicht selbst mitbringen können. Diese werden alle von Spendengeldern finanziert.

Das soziale Engagement der Schule verdient Dank und Anerkennung. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein und sozial und finanziell benachteiligten Schülern durch Spenden Mittel zur Verfügung zu stellen, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Fakt bleibt jedoch, dass das keine endgültige Lösung sein kann. Diese Investitionen in Soziales müssen Bund und Länder flächendeckend organisieren und finanzieren!

Zurück zu den Burkinis: Der Burkini-Verleih sei ein frauendiskriminierendes Bild? Wieso wird dieser bereits zwei Jahre alte Vorfall aus irgendwelchen Schubladen geholt, um zu hetzen, zu zanken und über die Rückschrittlichkeit des Islams, die Unterdrückung der Frau, über Religionsfreiheit oder die religiöse Neutralität des Staates zu diskutieren? Seit einigen Jahren gilt das Verbot von Burkas in Frankreich, Belgien und in den Niederlanden. Wir erinnern uns an den Vorfall in Frankreich, das Land, das als Eckpfeiler der modernen Demokratie bezeichnet wird, mit einem großen Aufsehen sorgte, als dessen Polizei von badenden Frauen verlangte, ihr Burkinis auszuziehen mit der Begründung, die Bekleidung störe die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Ob der Burkini-Verleih oder der Vorfall damals in Frankreich: Worum geht es eigentlich bei der Debatte konkret? Man spricht meist von Frauenrechtsverletzungen, von der Unterdrückung der Frau, jedoch ist man nicht besser gestellt, wenn man die eigene freie Entscheidung vieler muslimischer Frauen, ihren Körper zu bedecken, unter Strafe stellt? Meist steckt hinter der Akzeptanz zu einem Verbot eher die Angst. Angst vor Veränderungen und Angst vor dem Fremden, das Stimmungsmache gegen Menschen muslimischen Glaubens zur Folge hat und diese dürfen wir nicht zulassen. Religion und die religiöse Ausübung des Glaubens ist Privatangelegenheit und eine moderne Gesellschaft muss damit umgehen können, dass Schülerinnen, denen es unangenehm ist, nackte Haut zu zeigen, diese Haut auch bedecken können dürfen. Rechtspopulisten sind hier keinesfalls Teil der Lösung dieses Umganges mit diesem Problem, sondern sie sind das Problem selber!

Um es noch zu verdeutlichen. Es kann nicht von einer weltoffenen Gesellschaft gesprochen werden, wenn durch solch ein Verbot, Frauen oder Mädchen vom gesellschaftlichen oder schulischen Leben ausgeschlossen werden. Dieses Thema wird sicherlich auch innerhalb der muslimischen Gemeinde kontrovers diskutiert und es gibt unterschiedliche Haltungen dazu. Deshalb gilt es, die Entscheidung der einzelnen Frauen zu akzeptieren, solange diese nicht durch Gewalt oder Androhung von Gewalt dazu gezwungen werden.