Erhebliche Investitionen in der Bildung benötigt

Dilan Baran

Während die Bundesregierung 2% des Bundeshaushalts in die Aufrüstung stecken will und sich aktuell und ausgerechnet über Flüchtlinge „streitet“, wird vieles unter den Teppich gekehrt.
So auch der nationale Bildungsbericht, der alle zwei Jahre von einem Expertenteam zusammengetragen wird. Die Ergebnisse lassen laut Alarm schlagen:

Die soziale Schere geht auch in der Bildung immer weiter auseinander. Während es zwar immer mehr Schulabgänger mit Abitur gibt, die ein Studium aufnehmen, verlassen auch immer mehr junge Menschen die Schule ohne irgendeinen Abschluss. Das ist allerdings die logische Konsequenz von einer ohnehin immer größeren sozialen Spaltung der Gesellschaft und der starken Abhängigkeit des Bildungserfolg vom sozialen und ökonomischem Hintergrund der Familien.

Keine Neuigkeit, aber in Deutschland besteht weiter ein entscheidender Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Die Bundesvorsitzende der GEW, Marlis Tepe, kritisiert zu Recht, dass das „Kardinalproblem“ des deutschen Schulsystems nicht gelöst ist.

Wegen steigender Geburtenrate, Zuwanderung und mehr arbeitenden Müttern gibt es einen stetig steigenden Anstieg von Kindern in den KiTas und Schulen. Schon jetzt ist die Zahl der Dreijährigen, die eine KiTa besuchen, innerhalb von 12 Jahren um 458000 gestiegen. Der bereits bemerkbare Mangel an Erziehern wird sich demnach in den nächsten Jahren extrem verstärken.

Immer mehr Kinder wachsen mehrsprachig auf. Man würde denken, dass das eine positive Entwicklung ist, zumal die EU Kommission bereits vor ein paar Jahren das Ziel gesetzt hat, alle Schüler Europas bis 2023 mehrsprachig zu erziehen. Liest man Analysen über die Datenerhebung, begegnet man jedoch ausschließlich einer Beschreibung aus defizitärer Sicht: „Immer mehr Kinder wachsen in Familien auf, in denen vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird“. Die Defizitperspektive zieht sich bedauerlicherweise durch alle schulischen Bereiche, so auch Förder- und Bewertungsrichtlinien. Dementsprechend ernüchternd fallen die Ergebnisse zur Lesekompetenz aus.
Ein Umgang mit Mehrsprachigkeit, um das Potential aller Mitglieder der Gesellschaft auszuschöpfen, findet allerdings in der Lehrerausbildung auch kaum statt. Die Mehrsprachigkeitsexpertin Prof. Dr. Ingrid Gogolin schätzt diese Haltung für fatal für den Bildungserfolg von mehrsprachig aufwachsenden Kindern. Die Einschätzung und der richtige Umgang mit Sprachfähigkeiten und ihrer Entwicklung, sagt sie, seien ausschlaggebender Faktor für die Leistungen der Schüler in fast jedem Schulfach.

Die Autoren empfehlen deshalb, dass massiv Erzieher und Lehrer eingestellt werden. Um den Anforderungen einer heterogenen Schülerschaft und vielschichtigen Lerngruppen zudem gerecht zu werden, bedarf es besonders an Lehrern und Erziehern mit spezialisierter Ausbildung und nicht wie bisher vieler unausgebildete „Quereinsteiger“. Die Forscher fordern grundlegende Umbauten im Bildungssystem. Sie mahnen regelrecht, die nötigen Entwicklungen könnten nur durch erhebliche Investitionen eingeleitet werden und die Bildungspolitik, die ja in der Bundesrepublik Ländersache ist, müsse besser über Ländergrenzen hinweg abgestimmt werden können.