Kein Schlusswort- Veranstaltung mit Nebenklageanwälten in Nürnberg

Am 29. Juni luden die DIDF Nürnberg, der AK gegen Rechts der ver.di und die Interventionistische Linke Nürnberg die beiden Anwälte Antonia von der Behrens und Alexander Hoffmann zu einer Veranstaltung über den NSU ein. Die beiden haben, gemeinsam mit anderen Anwälten der Nebenklage, wie Carsten Ilius, aber auch Betroffenen und Hinterbliebenen der Verbrechen des NSU, wie Elif Kubaşık, das Buch „Kein Schlusswort – Plädoyers im NSU Prozess“ geschrieben. Neben der Vorstellung des Buches standen folgende Schwerpunkte im Zentrum der Veranstaltung: was haben die Betroffenen durchgemacht? Mit welchen Erwartungen sind sie in den Prozess hineingegangen? Aber auch was war die Motivation hinter dem Buch? Was dürfen wir uns vom Prozessende erhoffen?
Knapp zwei Wochen vor der erwarteten Urteilsverkündung fasste Antonia von der Behrens, die im NSU Prozess den jüngsten Sohn des 2006 in seinem Kiosk ermordeten Mehmet Kubaşık vertritt, die Erwartungen der Hinterbliebenen noch einmal zusammen. Dabei ging es ihnen vor allem um drei zentrale Fragen: Hatten die Täter Helfer an den Tatorten, die für sie die Opfer ausgespäht haben? Hatten die Behörden, allen voran der Verfassungsschutz so viele Informationen über den NSU, dass die Morde hätten verhindert werden können? Gab es noch mehr Mitglieder im NSU, wie groß war das Netzwerk? Nach Ansicht der Anwälte alles Fragen, die im Prozess nicht beantwortet wurden. Auch deshalb schrieben sie das Buch. Deshalb und weil sie das Urteil nicht als Schlussstrich oder Schlusswort sehen wollen, da eine echte Aufklärung erst recht nach dem Urteil gefordert werden muss. Die beiden berichteten von den Erlebnissen der Betroffenen, sowohl vor der Enttarnung des NSU, als auch im Prozess. Alexander Hoffmann, der zwei Betroffene des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße vertritt, erzählte davon, wie eine seiner Mandantinnen noch nicht einmal als Nebenklägerin anerkannt werden sollte, weil sie nicht in den Polizeiakten auftauchte. Zum Schluss machten beide und die Veranstalter auf die Spaltung innerhalb der Gesellschaft, für die auch u.a. die AfD und die CSU verantwortlich sind, aufmerksam und riefen die knapp 100 Besucher der Veranstaltung zur Teilnahme an der Großdemonstration an Tag X, dem Tag der Urteilsverkündung, in München auf.