Mehr Lehrkräfte denn je gebraucht!

Sezen Dinc

Lange Zeit wollten die Kultusminister der Länder nicht wahrhaben, dass der Lehrkräftemangel unmittelbar vor der Tür stand. Die letzten Prognosen bei der letzten Kultusministerkonferenz (KMK) in der vergangenen Woche stammten aus dem Jahre 2015 und waren schon damals alles andere als die Realität. Man hatte für das Jahr 2018 eigentlich einen bundesweiten Bewerberüberangebot von 4.870 kalkuliert. Jetzt hat man allerdings ein Minus von 11.510 ermittelt.
Allerdings soll es so nicht weitergehen und im nächsten Jahr sollen auf dem Papier nur 3.330 Lehrer fehlen und bis 2023 soll es sich laut Statistik entspannen und es soll einen Überhang an Lehramtabsolventen von 2.140 geben. Im Jahre 2026 soll es dann nochmal ordentlich brenzlig werden, wenn es 2.140 Pädagogen zu wenig auf dem Markt gibt.
Man fragt sich wie die KMK so optimistisch bleiben kann, wenn künftig der jährliche Einstellungsbedarf um 9.700 steigen soll und bis 2030 demnach pro Schuljahr 31.900 Lehrkräfte neu in den Schuldienst eingestellt werden müssen, um überhaupt den Verlust der Pensionierungen auszugleichen und den steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden. Allein in diesem Jahr fehlt es an 11.000 tatsächlich ausgebildeten Lehrkräften. Man versucht die Situation alternativ mit Seiteneinsteigern oder Lehramtsstudenten zu besetzen. Wir reden hier von „Lehrkräften“ ohne umfängliche pädagogische Kenntnisse.
Der Bundesvorsitzende der Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, bringt die Fakten folgendermaßen auf den Punkt: „eine den Status quo als Basis nehmende Modellrechnung verkennt die Realität an den Schulen.“ Lehrkräfte arbeiteten am Limit, weil Stellen nicht besetzt würden, Seiteneinsteigende unterstützt werden müssten und immer mehr Aufgaben, wie Inklusion, Integration, Digitalisierung und Ausbau der Ganztagsbetreuung, zu erledigen wären. Das alles seien Anforderungen, „die mit dem momentanen Personalschlüssel nicht bewältigbar sind“.
Als wären die Lehrkräfte mit ihren Aufgaben nicht schon überlastet genug, müssen sie sich mit der Meldeplattform der AfD herumschlagen, die ihr Vorhaben in die Tat umsetzt und für Fälle von „einseitiger Indoktrination“ in den Schulen diese Beschwerdeplattform installiert. Diese Plattformen wurden bereits in mehreren Bundesländern in Betrieb genommen. Das stößt von allen Seiten auf Kritik und einige der Vorgängerportale und AfD-Abgeordneten-Seiten, sind bereits aufgrund der Meldungen vom Netz genommen worden bzw. gesperrt worden. „Es passt ins Bild, dass eine Partei, die Andersdenkende ausgrenzen will, jetzt Plattformen schafft, auf denen man Leute mit anderen Meinungen denunzieren kann“, so Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) oder KMK-Präsident Helmut Holter sagt, es erinnere „an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte“.
Während die Bildung der Kinder immer als universales höchstes Gut angepriesen wird, stimmen die Voraussetzungen für diejenigen, denen diese verantwortungsvolle Aufgabe in die Hände gelegt wird, keinesfalls. Überarbeitung, zu wenige Lehrkräfte und dann noch das Schüren von Ängsten, wenn man als Lehrer seine Meinung vertritt, zeugen nicht davon, dass die Bildung von Kindern und Jugendlichen wirklich an erster Stelle steht.