Mietwahnsinn in Hessen

Sinem Yeşil

Die Mieten in der Bankenmetropole Frankfurt steigen bereits seit mehreren Jahren maßlos an, sodass es Normalverdienenden nahezu unmöglich ist, eine Wohnung zu beziehen. Immer mehr Menschen werden obdach- oder wohnungslos. In Anbetracht dessen setzt die Stadt jedoch auf weniger Sozial- und Mittelschichtswohnungen und bietet Wohnungssuchenden somit keinen alternativen günstigen Wohnraum. Es werden zwar weiterhin Wohnungen gebaut, jedoch richten sich diese primär an die wohlhabende bis reiche Bevölkerung. Auf der einen Seite der Stadt werden nämlich ganze Wohnviertel aufgewertet und ersetzt. Man könnte auch sagen: die Stadt wird von Grund auf versucht zu gentrifizieren. Es entstehen wie aus heiterem Himmel neue Stadtteile samt Luxuswohnungen. Dabei werden jedoch nicht die Menschen berücksichtigt, geschweige denn erhört, die durch dieses Konzept der Aufwertung aus ihrem Wohnraum gedrängt werden.
Von dieser Wohnungsnot sind vor allem sozioökonomisch schwache Familien, aber auch junge Menschen, wie beispielsweise Studierende und Auszubildende, betroffen. Studentenwohnheime des Studentenwerks sind überfüllt und platzen wortwörtlich aus allen Nähten, deshalb beträgt die Wartezeit auf eine dieser Wohnungen viel zu lang. Selbst Wohngemeinschaften sind kaum noch bezahlbar. Auszubildende und Studierende haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wodurch beide Berufsgruppen einer enormen Belastung während der jeweiligen Ausbildung ausgesetzt sind. Die Einen entscheiden sich für den selbstbestimmten Weg und emanzipieren sich von den Eltern, indem sie arbeiten gehen, um sich eine Wohnung leisten zu können. Meistens können sie sich trotz eines Nebenjobs keine Wohnung in Frankfurt leisten und begeben sich auf die Suche nach Wohnraum in Nachbarstädten, wobei dieser auch überteuert ist. Im „besten Falle“ finden sie dort eine Wohnung, die vergleichsweise zu Frankfurter Mieten halbwegs in ihre Preiskategorie passt.
Die Anderen wagen den Schritt zum selbstbestimmten Leben erst gar nicht, da der Gedanke, eine Ausbildung oder ein Vollzeitstudium mit einem zusätzlichen Job zu bewältigen, für die meisten nur schwer vorstellbar ist.
In Anbetracht auf die generelle Wohnungsnot zählen unter anderem Frauen zu den größten Leidtragenden. Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt und/oder alleinerziehend sind, begeben sich durch enorm hohe Mietpreise oft hoffnungslos auf die Suche nach preisgünstigen Wohnungen. Aber auch Frauen, die schlicht und ergreifend ein emanzipiertes Leben, unabhängig von familiären Einflüssen führen wollen, kriegen häufig die Quittung dafür und müssen sämtliche Hürden auf ihrem Weg zur Unabhängigkeit überwinden. Außerdem hat der weibliche Teil der Bevölkerung durch eine enorme Lohnungleichheit mit Unterbezahlung zu kämpfen, wodurch den Meisten niedrigere finanzielle Mittel im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen zur Verfügung stehen. Jede Frau sollte das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben und die Grundlage für ein solches Existenzminimum ist schließlich der eigene Wohnraum, welcher leider nahezu unzugänglich für viele Frauen ist.

Demo gegen den Mietwahnsinn
Am Samstag, dem 20. Oktober 2018, fand in Frankfurt eine hessenweite Demonstration unter dem Motto „Mietwahnsinn Hessen- Gemeinsam gegen Spaltung und Verdrängung- bezahlbarer Wohnraum für alle“ statt. An der Aktion nahmen über 5.000 Menschen teil. Die Teilnehmenden forderten den Stopp von Rassismus und Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, welcher die Wohnungssuche für Menschen mit einem Migrationshintergrund oder Geflüchtete zusätzlich erschwert. Zudem äußerten sie sich gegen die Verdrängung der Bevölkerung aus ihrem Wohnraum und forderten stattdessen mehr sozialen Wohnungsbau. An dem Protest nahm auch die DIDF- Jugend- Hessen teil. In Frankfurt herrschte eine lange Zeit über Stille bezüglich der steigenden Mieten. Jedoch wird momentan deutlich, dass dies bloß die Ruhe vor dem Sturm war. Angefangen hat es mit dem Bündnis Mietentscheid, das anhand einer Unterschriftenkampagne versucht ein Bürgerbegehren zu erlangen, um die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG- Holding dazu zu verpflichten, ausschließlich Sozial- und Mittelschichtswohnungen zu bauen. Daraufhin folgte die Großdemonstration in Frankfurt. Die Bevölkerung zeigt sich laut und energisch und setzt ein Zeichen gegen die menschenunwürdige Wohnungspolitik. Es ist unmöglich, dass Spekulantinnen und Spekulanten den Wohnungsmarkt für ihre Kapitalinteressen ausnutzen und durch ihn Gewinne in Millionenhöhe erlangen. In Hessen sind auch zukünftig weitere Aktionen hinsichtlich der prekären Wohnungslage zu erwarten.